Die Druckerei

Betreten Sie die Druckerei aus dem 16. Jahrhundert und Ihnen wird bewusst: Drucken war ein Handwerk. Entdecken Sie die ältesten Druckerpressen der Welt und probieren Sie selbst den Umgang mit Buchstaben und Tinte aus. 

Die Druckerei

Die Kunst des Buchdrucks

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie jahrhundertealte Bücher entstanden sind? Nirgendwo wird dies besser deutlich als in der Druckerei der Familie Plantin-Moretus aus dem 16. Jahrhundert. Keine Nachbildung, sondern die ursprüngliche Werkstatt, die über 300 Jahre lang ununterbrochen in Betrieb war. Als wären die Arbeiter gerade erst gegangen. Die Pressen und Materialien blieben zurück. Sehen Sie sich um, berühren Sie sie und entdecken Sie, wie der Buchdruck zur Kunstform wurde. 

Pressen wie bei Plantin

Die Setzer fügten die Bleilettern zu Zeilen, die Drucker bedienten die Pressen, und zwischendurch setzten die Korrektoren die sprichwörtlichen Tüpfelchen auf das i. In ihrer Blütezeit beschäftigte die Officina Plantiniana über 60 Arbeiter. Von den acht Druckpressen, die heute hier stehen, sind sechs noch immer funktionsfähig. Die beiden anderen stammen aus dem 17. Jahrhundert und sind damit die ältesten erhaltenen Holzdruckerpressen der Welt. Beein-druck-end, oder? 

Nur die Abwesenheit der Familie Moretus lässt vermuten, dass die Druckerei nicht mehr in Betrieb ist. Oder doch? Auf Ihrem Rundgang durch das Museum zeigen Ihnen Freiwillige eine Live-Demonstration an einer Replika-Presse, getreu nach einem Modell aus dem 16. Jahrhundert gebaut. Für einen Moment scheint die Druckerei wieder zum Leben zu erwachen. Es ist der unbestrittene Höhepunkt Ihres Besuchs.

Jeder hat seine Aufgabe

Möchten Sie sich mit uns auf eine Zeitreise begeben? In der Druckerei werden Sie Zeuge einer gut geölten Maschine. Sie sehen, wie der Setzer Bleilettern aus den Setzkästen auswählt, fein säuberlich nach Alphabet und Schriftgröße sortiert Mit einem Winkelhaken setzt er Zeile um Zeile und fügt sie auf einem hölzernen Brett – dem sogenannten Satzbrett – zu Spalten oder ganzen Seiten zusammen. Mehrere Seiten vereint er zu einem Satz, der in einem Rahmen auf der Presse befestigt wird.  

Nun sind der Drucker und sein Gehilfe an der Reihe. Sie schwärzen den eingespannten Satz mit Tampons ein, einer Art halbrunder Bälle. Danach klemmen sie befeuchtetes Papier in eine spezielle Vorrichtung und pressen es mit einer schnellen Bewegung gegen den Satz. Nach einer sorgfältigen Kontrolle und eventuellen Anpassungen der ersten Probe gibt der Tisch der Korrektoren grünes Licht. Jetzt läuft die Produktion auf Hochtouren. 

Wussten Sie, dass ... 

eine einzige Presse täglich bis zu 1.250 Bögen beidseitig bedruckte? Anders gesagt: 2.500 Druckbögen, Vorder- und Rückseite. Und da jede Seite auch noch zweimal unter die Presse musste, kam ein Drucker auf rund 5.000 Handgriffe am Tag. Eine wahrhaft schweißtreibende Kunst!