Das historische Haus

In dem prachtvollen Patrizierhaus am Vrijdagmarkt 22 kommen das familiäre, intellektuelle und kulturelle Leben des Europa des 16. Jahrhunderts zusammen. Die unvergleichliche Sammlung von Gemälden, Skulpturen, Wandteppichen, Möbeln und Kunstgegenständen veranschaulicht die glanzvolle Vergangenheit der berühmten Druckerdynastie. Kein Wunder, dass sowohl das historische Wohnhaus als auch das Familienunternehmen auf der prestigeträchtigen UNESCO-Welterbeliste stehen. 

Das historische Haus

Historisches Areal und Gebäude

Enen … groote huysinghe met poorte, gaelderye, plaetse, toren, salette, ceuckene, … 1576 unterzeichnet Christoffel Plantin den Kaufvertrag für ein Anwesen am Vrijdagmarkt. Er tauft es De Gulden Passer. Das Grundstück erweist sich als ideal: ein großzügiger Garten, ein Kutschenhaus an der Heilige-Geeststraat und eine eindrucksvolle Druckerwerkstatt mit Platz für sechzehn Pressen. Im Laufe des 17. Jahrhunderts erweitern Jan I. und vor allem Balthasar I. Moretus den Komplex um zusätzliche Wohnhäuser, Arbeitsräume und eine monumentale Bibliothek. Um 1700 zieht auch das Ladengeschäft in De Gulden Passer um

Im 18. Jahrhundert verleiht Franciscus Joannes Moretus dem Areal seine heutige klassische Fassade. Die Gebäude rund um den Innenhof werden zu einem einheitlichen architektonischen Ganzen verbunden. So wächst De Gulden Passer zu einem einzigartigen Stadtpalast heran, in dem Wohnen, Arbeiten und Kunst nahtlos ineinander übergehen. Ein wahres Schmuckstück des Kulturerbes, das seit 1877 als Museum Plantin-Moretus der Öffentlichkeit zugänglich ist. 

Gemälde

Sie brauchen gar nicht erst zu zählen: Im Haus hängen 153 Gemälde. Darunter nicht weniger als 71 Porträts bedeutender Familienmitglieder und Freunde. Wer genau hinsieht, erkennt den Humanisten Justus Lipsius und den Kartografen Ortelius. Oft fehlt die Signatur, doch manchmal verrät der Stil alles: Niemand Geringerer als Peter Paul Rubens setzte einige vornehme Sprösslinge der Druckerfamilie meisterhaft ins Bild. Im Auftrag seines guten Freundes Balthasar I. Moretus verewigte er dessen Eltern und Großeltern auf Leinwand: Jan I. Moretus und Martina Plantin sowie Christoffel Plantin und Jeanne Rivière. 

Die Familie betrachtete und behandelte ihre Werke wie einen Schatz und achtete bei Erbteilungen sorgsam darauf, dass sie stets in die Hände der jeweiligen Unternehmensleitung gelangten. So ist diese außerordentlich wertvolle Sammlung bis heute vollständig zusammengeblieben. 

Peter Paul Rubens, Portret van Christoffel Plantin (1612-1616), Museum Plantin-Moretus, Antwerpen
Peter Paul Rubens, Portret van Martina Plantin (1633), Museum Plantin-Moretus, Antwerpen

Skulpturen

Kunstliebhaber Balthasar I. ließ auch Skulpturen anfertigen, um Garten und Wohnhaus zu verschönern, unter anderem von Hans van Mildert. Im Außenbereich verlieh der Bildhauer verschiedenen Druckereibesitzern und – erneut – dem Hausfreund Justus Lipsius Gestalt. Zur Ausschmückung des Letterzimmers meißelte er Honor, Virtus und Doctrina. Für diese drei steinernen Darstellungen von Ehre, Tugend und Wissen griff van Mildert auf Zeichnungen von Rubens zurück. 

Das Relief mit dem Emblem über dem Eingangstor stammt von Artus I Quellien. Pauwel Dierickx ist der Schöpfer des kleinen Löwen auf der Treppe des Hofgartens sowie mehrerer kunstvoll gestalteter Türumrahmungen. Auch die Generationen nach Balthasar I. bereichern das Haus mit bedeutenden Kunstwerken, etwa mit dem Apoll von Gilles-Lambert Godecharles in der Eingangshalle und den Lindenholzfiguren in der Bibliothek. 

Interieurelemente

Wer damals seine Wände mit kostbarer Wandbespannung schmückte, hatte es wahrlich zu etwas gebracht. Selbst wenn heute ein Großteil davon verschwunden ist, regt die Sammlung von Goldledertapeten aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert noch immer die Fantasie an. Um ihren Rang zu unterstreichen, ließ die Familie Plantin-Moretus sogar ihr Logo in einen der zahlreichen Wandteppiche einarbeiten. 

Doch auch, was auf dem Boden steht, lässt das Herz von Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhabern höherschlagen: Die beiden bemalten Kunstkabinette gehören zur ursprünglichen Ausstattung, das Doppelinstrument von Joannes Josephus Coenen aus Roermond ist eines von weltweit nur vier Exemplaren, und sowohl die Keramikteller mit Wappenschilden als auch die chinesische Vase aus dem 17. Jahrhundert stammen aus den kaiserlichen Öfen der Qing-Dynastie. 

Kontakt zur Kuratorin

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