Selten findet man ein Archiv, das so vollständig, so detailliert und zugleich so faszinierend ist wie das der Officina Plantiniana. Dank der Aufnahme in das UNESCO-Programm Memory of the World gilt es als dokumentarisches Welterbe – zu Recht. Was hier bewahrt wird, sprengt beinahe die Vorstellungskraft: 300 Jahre Buchdruckgeschichte, eingefangen in Tausenden Seiten Korrespondenz, Buchführung, Arbeitsordnungen und Beschwerdebüchern. Jedes Dokument öffnet gleichsam eine Tür in das Herz einer geschäftigen Druckerei, in der Bücher gedruckt wurden, Ideen aufeinanderprallten und sich die Welt langsam veränderte.
Dieses Archiv – ebenfalls als flämisches Spitzenstück anerkannt – ist ein Paradies für alle, die die frühneuzeitliche Geschichte ergründen möchten: von der Gegenreformation bis zum Humanismus, von sozioökonomischen Entwicklungen bis zu wissenschaftlichen Studien. Es ist eingebettet in ein dichtes Geflecht aus Familien- und Firmenarchiven der Familie Moretus und verwandter Familien. Wie behält man da den Überblick? Mithilfe des Inventaris op het Plantijnsch archief (Inventar des Plantinischen Archivs) des Historikers und ehemaligen Museumskurators Jan Denucé. Inzwischen über 100 Jahre alt, doch noch immer relevant und eine wertvolle Ergänzung zur neuen digitalen Suchumgebung.