Druckgrafik und Zeichnungen

Um Illustrationen in Büchern und anderen Drucken wiederzugeben, benötigte die Officina Plantiniana originale Zeichnungen. Im Lauf der Jahrhunderte stapelten sie sich buchstäblich. Als der erste Kurator Max Rooses gezielt begann, alte und moderne Druckgrafik zu sammeln, entstand eine Sammlung von mehr als 70.000 Werken. Das Kupferstichkabinett war geboren. 

Druckgrafik und Zeichnungen

Auf Initiative von Max Rooses

Inzwischen umfasst die Sammlung bereits mehr als 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken. Damit gehört das Kupferstichkabinett zu den fünfzig bedeutendsten Sammlungen der Welt – vor allem dank seiner inhaltlichen Qualität. Von Meisterzeichnungen von Jordaens, Rubens und Van Dyck bis zu moderner Grafik von Ensor und Tuymans: Die Sammlung ist gleichsam der Bauplan für fünf Jahrhunderte grafischer Kunst in Belgien. Nicht weniger als 1.000 Zeichnungen stehen auf der flämischen Liste der Spitzenstücke. 

Es ist bemerkenswert, dass alles einst als rein funktionaler Bestand an Illustrationen begann. Durch gezielte Ankäufe, diskrete Schenkungen und besondere Nachlässe wuchs daraus eine eigenständige und renommierte Kunstsammlung. Kurator Max Rooses gab den Ton an: mit einem Schwerpunkt auf der Antwerpener Schule vom 16. bis zum 20. Jahrhundert und auf allen bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern mit einer Verbindung zur Stadt. 

Alte Druckgrafik und Zeichnungen

Das Kupferstichkabinett besitzt mehr als 20.000 alte Druckgrafiken, 300 Grafikmappen und rund 5.000 Zeichnungen von vor 1800. Sie lassen die Blütezeit der grafischen Künste im Antwerpen des 16. und 17. Jahrhunderts lebendig werden – mit klangvollen Namen wie Bruegel und dem barocken Dreigestirn Rubens, Van Dyck und Jordaens. Nirgendwo sonst auf der Welt finden Sie so viele Meisterzeichnungen dieses berühmten Trios an einem Ort. 

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sammlung der Bildhauerzeichnungen, deren Prunkstück die Charles-Van-Herck-Sammlung ist. Gemeinsam bilden sie das wichtigste Studienarchiv für die barocke Bildhauerkunst des 17. und 18. Jahrhunderts in den Südlichen Niederlanden. Außerdem zeigt die umfangreiche Ikonografie Antwerpens ein faszinierendes Bild der Stadt und ihrer Geschichte. 

Hans Liefrinck (I), 1550, Het monsterkalf, houtsnede, Collectie Stad Antwerpen, Museum Plantin-Moretus

Moderne Druckgrafik und Zeichnungen

Der moderne Teil des Kupferstichkabinetts umfasst nicht weniger als 26.000 Druckgrafiken, 18.000 Zeichnungen und xBildbände aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert. Er wurzelt in der Antwerpener Grafiktradition und schlägt zugleich die Brücke zu modernen und zeitgenössischen Themen, Techniken und Stilen. Künstler wie Henri Leys, Henri De Braekeleer, James Ensor, Rik Wouters, Marthe Donas und Luc Tuymans zeigen, wie sich Grafik und Zeichnung beständig weiterentwickeln – von feinfühligen Beobachtungen bis hin zu schonungsloser Gesellschaftskritik. 

Die Sammlung vereint einzelne Meisterwerke mit Serien, die den kreativen Prozess sichtbar machen. Zu den Blickfängen gehören expressionistische Arbeiten aus der Zwischenkriegszeit, unter anderem von Jozef Peeters und Jos Léonard. Und auch hier bleibt Antwerpen stets präsent: Die Ikonografie der Stadt bleibt ein roter Faden, etwa in Werken von Leys, Linnig und De Braekeleer. 

	James Ensor, De hoofdzonden beheerst door de dood, 1904, Ets, handgekleurd met waterverf, Collectie Stad Antwerpen, Museum Plantin-Moretus

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